055 Wohn- und Geschäftshaus RuBrei43, Kaiserslautern
Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses in innerstädtischer Lage innerhalb eines gründerzeitlichen Stadtblocks.
Ausgangspunkt der Planung war ein eingeschossiger Kioskbau aus den 1930er Jahren, der innerhalb der gründerzeitlichen Blockstruktur sowohl typologisch als auch städtebaulich nicht in die übergeordnete Raumordnung eingebunden war und den Stadtraum dauerhaft unvollständig ließ.
Die Typologie des kleinteiligen Kiosks hatte im Zuge veränderter Rahmenbedingungen – insbesondere durch die erweiterten Ladenöffnungszeiten – ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit weitgehend verloren. Gleichzeitig wurde das Gebäude als Zeitzeugnis einer spezifischen Nutzungsepoche verstanden.
Anstelle eines ersatzlosen Abbruchs wurde der Bau daher sorgfältig rückgebaut und an anderer Stelle – im Freilichtmuseum Bad Sobernheim – als Zeitzeugnis erhalten.
Die Neubebauung versteht sich somit nicht als Verdrängung, sondern als stadträumliche Korrektur und Weiterentwicklung: Die historische Blockstruktur wird geschlossen und in ihrer ursprünglichen räumlichen Logik wieder lesbar gemacht, während das bestehende Bauteil in einen neuen kulturellen Kontext überführt wird.
Die komplexe Ecksituation wurde unter Einbeziehung der ursprünglichen Achsen der Bindewald’schen Planung sowie im Kontext der umliegenden Bestandsgebäude neu geordnet. Die bestehende Baulücke wird durch eine fünfgeschossige Eckbebauung geschlossen, die sich selbstverständlich in die innerstädtische Situation einfügt und ein angemessenes Gesamtbild ausbildet. Das freistehende Bestandsgebäude (Nr. 58) wurde dabei mit größtmöglichem Abstand berücksichtigt.
Die klare Fassadengliederung mit ihrer klassischen Erscheinung nimmt die Proportionen und Ordnungsprinzipien der gründerzeitlichen Bestandsbebauung auf und interpretiert diese in zeitgemäßer Form. Dadurch entsteht eine selbstverständliche Einbindung in den historischen Kontext bei gleichzeitiger eigenständiger architektonischer Aussage und einer repräsentativen Außenwirkung unter Betonung der stadträumlichen Achsen.
Das Gebäude bildet den ersten Baustein zur Wiederherstellung des gründerzeitlichen Platzes im historischen Grundriss, ohne den hierfür ursprünglich vorgesehenen Abbruch des Nachbargebäudes zu erfordern.
Im Erdgeschoss sind Büro- und Gewerbeflächen angeordnet, während in den Obergeschossen einspännig organisierte Wohnungen mit unterschiedlichen Grundrissen entstehen. Die flexible Struktur ermöglicht eine langfristige Anpassung an wechselnde Nutzungsanforderungen und erlaubt sowohl wohnungsinterne Veränderungen als auch eine Umnutzung zwischen Wohnen und Gewerbe.
Holzfenster und faltbare Klappläden prägen die Fassaden und ermöglichen eine individuelle Steuerung von Licht und Privatheit.
Das Gebäude wird über eine Kombination aus Luftwärmepumpe und Fernwärme beheizt und gekühlt. Die Bauteilaktivierung der Betondecken sorgt dabei für eine gleichmäßige und energieeffiziente Temperierung der Räume.
Auswahl "Tag der Architektur" 2023
„Es gibt ihn noch, den guten Städtebau in Kaiserslautern: das Wohn- und Geschäftshaus Rudolf-Breitscheid-Straße 43. In den städtebaulichen Kontext eingefügt, beachtet es den Bindewald-Plan und überzeugt durch eine qualitätsvoll gegliederte Fassade. Es hebt sich deutlich von anderen Bauten der letzten Jahrzehnte in Kaiserslautern ab.“
Prof. Dr.-Ing. Detlef Kurth, RPTU Kaiserslautern-Landau















